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Kőszeg: Ein ehrlicher Guide zu Ungarns ruhigster Kleinstadt

  • samusimonfoti
  • 27. März
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. März

Die meisten, die nach Westungarn fahren, landen in Sopron. Manche schaffen es noch bis Szombathely. Kőszeg steht bei fast niemandem auf der Liste.

Schade eigentlich.

Die Stadt liegt direkt an der österreichischen Grenze, gut 220 km westlich von Budapest. Mittelalterliche Burg, bemalte Barockfassaden, Weinkeller und ein Gipfel, den du noch vor dem Mittagessen schaffst. Und etwas, das die meisten ungarischen Touristenorte nicht haben: Ruhe. An einem Dienstagvormittag kann es passieren, dass du den gesamten Hauptplatz für dich allein hast.

Hier kommt, was sich wirklich lohnt.


Burg Jurisics

Fang hier an. Die Burg liegt am Rand der Altstadt und ist in etwa 45 Minuten zu besichtigen. Das Museum drinnen ist solide, nicht spektakulär (ein paar Räume mit Stadtgeschichte, einige historische Waffen). Der eigentliche Höhepunkt ist der Innenhof.

Stell dich in die Mitte und schau hoch zum Turm und den umgebenden Mauern. Man spürt hier, was passiert ist. 1532 hielt eine Garnison von weniger als tausend Verteidigern der osmanischen Belagerung stand. Die Stadt feiert das heute noch jedes Jahr.

Nicht durchhetzen. Setz dich auf eine der Bänke im Innenhof, wenn das Wetter passt.


Heldentor und Jurisics-Platz

Geh durchs Heldentor, nicht daran vorbei. Die meisten Besucher machen von außen ein Foto und gehen weiter. Geh durch, dreh dich um und schau von innen zurück auf die Fassade. Das ist der bessere Blickwinkel.

Der Jurisics-Platz ist das Herz der Altstadt. Die Gebäude rundherum sind in Pastellfarben gestrichen, mit verzierten Fassaden, die fast zu gut erhalten aussehen, um echt zu sein. Sind sie aber. Kőszeg wurde nie bombardiert, nie industrialisiert, nie zugebaut. Der Platz sieht im Grunde so aus wie seit Jahrhunderten.

Vergleich das mit Egers Hauptplatz, voll mit Reisegruppen und überteuerten Restaurants. Oder Sopron, das zwar schön ist, aber am Wochenende von Wienern überrannt wird. In Kőszeg bleibt es ruhig.


Die Weinkeller

Kőszeg hat eine Weintradition, die Jahrhunderte zurückreicht. Die lokale Rebsorte ist Blaufränkisch (auf Ungarisch Kékfrankos). Die Weine sind mittelkräftige Rote, erdig und leicht pfeffrig. Keine komplizierten Weine, aber ehrliche.

Wenn du probieren willst, such nach dem Stefanich-Keller. Einer der bekanteren Produzenten der Gegend.

Es gibt auch eine lokale Besonderheit: das Buch der Weinlese (Szüreti Könyv). Genau das, was der Name sagt: ein Protokollbuch, das jede Ernte seit dem 18. Jahrhundert dokumentiert. Ein sympathisches Stück Lokalkultur, das zeigt, wie ernst diese Stadt ihren Wein nimmt.

Wenn dich Wein interessiert, ist der Frühherbst die beste Reisezeit. Die Lesesaison bringt etwas mehr Leben in die Stadt, ohne sie in ein Volksfest zu verwandeln.


Wanderung auf den Írottkő

Das Highlight für alle, die gern wandern. Der Írottkő ist mit 884 Metern der höchste Punkt in Transdanubien (der westlichen Hälfte Ungarns). Der Weg von Kőszeg dauert etwa drei Stunden pro Richtung. Keine schwere Wanderung, einfach stetig bergauf durch Tannenwald, der mit zunehmender Höhe lichter wird.

Bei klarer Sicht reicht der Blick vom Gipfel bis zum Balaton. Oben gibt es einen Aussichtsturm und einen kleinen Imbiss, der in der Saison manchmal geöffnet ist.

Ein paar praktische Hinweise: Wasser mitnehmen, es gibt unterwegs keine verlässlichen Quellen. Ordentliche Schuhe anziehen (der Weg wird stellenweise wurzelig). Am besten morgens starten. Der Gipfel liegt direkt auf der österreichischen Grenze, was vor allem bedeutet, dass es dort einen Geocaching-Marker und zweisprachige Schilder gibt.

Falls drei Stunden pro Richtung zu viel sind: du kannst ein Stück hochfahren und die Wanderung auf etwa 90 Minuten verkürzen. Die gleichen Trails sind auch für Mountainbiker beliebt.


Die Stadt selbst

Kőszeg belohnt zielloses Herumschlendern. Die Altstadt ist kompakt genug, um sie in 20 Minuten zu durchqueren, aber interessant genug für einen halben Tag, wenn du dir Zeit lässt. Geh vom Hauptplatz in die Seitengassen. Schau hoch zu den bemalten Fassaden, den geschnitzten Türrahmen, den kleinen Details an den älteren Gebäuden, die auf keinem Schild erklärt werden.

Die beste Zeit dafür? Ein Wochentag am Vormittag. Im Frühling, wenn die Wildblumen auf den Wanderwegen blühen und die Luft noch kühl ist. Oder im Frühherbst, wenn das Licht golden wird und die Weinlese läuft. Sommer geht auch, aber Juli und August werden warm, und du teilst dir die Stadt mit ein paar mehr Besuchern.

Wenn du in der Gegend richtig abschalten willst, eignet sich die Region um Kőszeg sehr gut für ein Digital-Detox-Wochenende — die umliegenden Dörfer haben fast keinen Lärm, keine Massen, und nichts, was dich online zieht.


Tagesausflüge ab Kőszeg

Zwei gute Optionen, falls du einen Extra-Tag hast.

Szombathely liegt 21 km östlich und ist die älteste Stadt Ungarns. Das Savaria Museum lohnt sich, wenn dich römische Geschichte interessiert. Szombathely war eine bedeutende römische Siedlung (Savaria), und das Museum zeigt anschaulich, wie das Leben hier vor 2.000 Jahren aussah. 20 Minuten mit dem Auto oder per Bus.

Burg Lockenhaus liegt etwa 13 km nordwestlich, gleich hinter der Grenze in Österreich. Eine mittelalterliche Festung auf einem Hügel, dicke Mauern und eine leicht unheimliche Atmosphäre. Wenn du Burgen mit Charakter magst (statt dem polierten Museumstyp), wirst du hier fündig. Die Fahrt dauert etwa 15 Minuten.

Ein Tag in den Thermen von Bükfürdő lohnt sich ebenfalls: 20 Minuten südlich, und die Kombination von Wandern in Kőszeg am Morgen und Einweichen im Thermalwasser am Nachmittag ergibt einen sehr guten Tag.

Wer lieber größere Strecken auf dem Rad zurücklegt, findet in den Radrouten rund um Kőszeg alles, was er braucht — bis weit in die umliegenden Dörfer und über die österreichische Grenze.


Wo essen?

Ich tu jetzt nicht so, als hätte ich eine definitive Restaurantliste. Am Hauptplatz gibt es ein paar ordentliche Optionen. Darüber hinaus: frag Einheimische. Die Empfehlungen von jemandem, der hier lebt, schlagen immer das, was Google Maps zuerst ausspuckt.


Wann hin?

Frühling (April bis Anfang Juni): Wildblumen auf den Wanderwegen, milde Temperaturen, leere Stadt. Der Sweet Spot.

Frühherbst (September bis Mitte Oktober): Weinlesesaison, warme Tage ohne Sommerhitze, schönes Licht zum Fotografieren.

Sommer: geht, aber wärmer und etwas voller.

Winter: Kőszeg wird ruhig. Sehr ruhig. Gut, wenn du das willst. Weniger gut, wenn du willst, dass was offen hat.

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Wir sind voreingenommen, weil wir gleich daneben wohnen (unser Gästehaus ist in Cák, 6 km südlich). Aber Kőszeg ist wirklich einer der am meisten unterschätzten Orte in Ungarn. Falls du die Gegend als Basis nutzen willst: unser Reset-Paket bietet 3 Nächte für €498, das Weekender-Paket 2 Nächte für €299. Beides mit der Art von Ruhe, die anderswo schwer zu finden ist.

 
 
 

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